Die Pilgerwege nach Santiago de Compostela
Die Jakobswege nach Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens gehören wohl zu den bekanntesten und beliebtesten Pilger- und Wanderwegen Europas. Seit dem Beginn der Pilgertradition im 9. bis 11. Jahrhundert führen sie zum vermeintlichen Grab des Apostels Jakobus der Ältere in der Kathedrale von Santiago.
Hat man die mindestens erforderliche Strecke bewältigt (100 km zu Fuß oder 200 km per Pferd, Esel oder Fahrrad), kann man sich im Pilgerbüro von Santiago die Compostela ausstellen lassen, eine Urkunde in Latein als offizielle Bestätigung und Anerkennung wenn man so will für die erbrachte Leistung. Um die Strecke nachzuweisen, lässt man sich in allen besuchten Herbergen und Kirchen einen Stempel in den persönlichen Pilgerausweis stempeln, den Credential del Peregrino. Diesen erhält man im Pilgerbüro der Orte am Beginn der einzelnen Routen oder beispielsweise bei der Jacobus-Gesellschaft. Aber auch, wenn man auf die Compostela keinen Wert liegt, benötigt man den Pilgerausweis, da man die offiziellen Pilgerherbergen nur als „echter“ Pilgernder aufsuchen darf. Dies dient auch zum Schutz der Herbergen vor „gewöhnlichen“ Touristen, die die Pilgerherbergen lediglich als günstige Unterkunft nutzen möchten. Letzlich sind Credential und Compostela auch einfach nette Andenken an die Zeit der Pilgerwanderung.
Vom Jakobsweg existieren verschiedene Routen:
- Der Camino Primitivo (240 km) ab Oviedo, der älteste.
- Der Camino Francés (770 km) ab Saint-Jean-Pied-de-Port, der bekannteste.
- Der Camino del Norte (660 km) ab Irun, entlang der spanischen Biskayaküste.
- Die Vía de la Plata ab Sevilla in Andalusien.
- Der Caminho Português ab Porto, quer durch Portugal.
- Der Camino Ingles ab A Coruña bzw. Ferrol, der kürzeste.
Ebenso zu den traditionellen Jakobswegen zählen die vier französischen Zubringer: Via Turonensis ab Paris, Via Lemovicensis ab Asquins bzw. Vézelay, Via Podiensis ab Le Puy-en-Velay und die Via Tolosana ab Arles.
Übrigens: Jeder Weg, den man nach Santiago geht, ist ein Jakobsweg, egal wo man ihn beginnt. Es ist nicht von Bedeutung, ob ihn schon andere vor einem gegangen sind. Daher kann man auch nicht sagen, ein Weg sei weniger authentisch als der andere oder eben kein „echter“ Jakobsweg. Es ist deshalb auch nicht so wichtig, wenn viele Abschnitte der historischen Jakobswege inzwischen von Schnellstraßen überbaut sind, man nicht auf dem ursprünglichen Jakobsweg unterwegs ist oder wenn man eine andere Route wählt als die traditionelle.
Im Anschluss an den eigentlichen Camino wandern manche Pilgernde noch etwa 85 km weiter über den Camino a Fisterra bis zum Cabo Fisterra oder nach Muxía an der Atlantikküste. Von Santiago aus gibt es auch die Möglichkeit, mit dem Bus dorhin zu fahren.
Darüber hinaus existiert in ganz Europa ein Netz von Pilgerwegen, die Jakobswege (bzw. „Wege der Jakobspilger“) genannt werden und zu den Hauptrouten führen, bei Weitem aber nicht so gut mit Herbergen ausgestattet sind wie die klassischen Wege und daher auch nicht so intensiv begangen werden (s. beispielsweise Jakobswege in Deutschland).
Symbole des Weges und der Pilgerschaft sind die Jakobsmuschel sowie das Jakobskreuz.
Für viele gläubige Christen ist der 25. Juli, der Jakobstag, ein besonderes Datum. Als Heiliges Compostelanisches Jahr werden die Jahre gefeiert, in denen dieses Datum auf einen Sonntag fällt.
Eine der ältesten Wegbeschreibungen (einschließlich der vier französischen Jakobswege) findet sich im Jakobsbuch Codex Calixtinus des französischen Priesters Aimery Picaud aus dem 12. Jahrhundert.
Wem es nicht möglich ist, den Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu pilgern, kann stattdessen ein Stück von einer Tarta de Santiago essen, was spirituell annähernd den gleichen Effekt hat! ;-)
Was einen erwartet
Die Jakobswege führen durch die sehr abwechslungsreiche Landschaft Spaniens, wobei allerdings bedacht werden muss, dass die Wege häufig auch über längere Strecken entlang von Schnellstraßen führen, man also nicht immer das totale Naturerlebnis hat. Gerade der Camino Francés ist aufgrund seiner Beliebtheit stark frequentiert und man ist dort eigentlich nie allein unterwegs. Die Wege sind überwiegend gut mit gelben Pfeilen markiert und es besteht so kaum die Gefahr, sich zu verlaufen. In den größeren Ortschaften führt der offizielle Weg meist direkt an den Herbergen vorbei oder sie sind ausgeschildert.
Auf dem Weg nach Los ArcosDie große Anzahl an günstigen Pilgerherbergen entlang der Routen macht die Jakobswege zu einem attraktiven Reiseziel. Die Preise für eine Übernachtung liegen im Durchschnitt bei 10 bis 15 €, wobei einige Herbergen auch auf Spendenbasis betrieben werden. In der Regel muss die Übernachtung in bar bezahlt werden, Kartenzahlung (con tarjeta) ist unüblich und vielleicht in einigen privaten Herbergen möglich. Die Ausstattung ist dabei sehr unterschiedlich. Häufig verfügen die Herbergen über Mehrbettzimmer oder Schlafsäle mit Etagenbetten. In der Regel sind ein Einweglaken und -kissenbezug im Preis enthalten. Ein mitgebrachter Schlafsack wird immer vorausgesetzt. Zusätzliche Decken gibt es selten, gelegentlich aber in Herbergen in den höher (und damit kälter) gelegenen Bergregionen. Gerade in den großen Sälen kann die Atemluft über Nacht sehr stickig werden, von dem Geräuschpegel ganz abgesehen. Die Kochmöglichkeiten sind sehr unterschiedlich. Während einige Herbergen nicht viel mehr als eine Mikrowelle und ein paar Teller und Besteck anbieten, verfügen andere auch über elektrische Herde und Utensilien zum Kochen. Allerdings reicht auch diese Ausstattung häufig nicht aus, um allen Pilgernden eigenständiges Kochen zu ermöglichen. Pilgermenüs erhält man dagegen in vielen privaten Herbergen mit angegliedertem Restaurant. Vegetarische oder gar vegane Kost wird selten angeboten, daher ist man hier in der Regel auf Selbstverpflegung angewiesen.
In den meisten Herbergen gibt es mindestens die Möglichkeit, Kleidung per Hand zu waschen und zum Trocknen aufzuhängen. Vielleicht die Hälfte der Herbergen verfügt aber auch über eine Waschmaschine und/oder Wäschetrockner. In vielen mittleren bis größeren Ortschaften findet man auch öffentliche Münzwäschereien. Fast alle Herbergen verfügen über kostenloses WLAN (Wi-Fi) unterschiedlichster Qualität, das nachts allerdings manchmal abgeschaltet wird. Handys lassen sich über Nacht aufladen, wobei die Steckdosen hierfür manchmal etwas rar sind. In einigen Herbergen gibt es allerdings sogar USB-Ladeports an jedem Bett! Seit Dezember 2024 gibt es in Spanien ein neues Gesetz, das alle Touristen (zu denen hier nun mal auch Pilgernde zählen) verpflichtet, sich an jedem Ort einer Übernachtung mit sämtlichen persönlichen Daten zu registrieren, was durchaus als lästige und überflüssige Schikane empfunden werden kann. Darüber hinaus wird diese Registrierung oft über ein Online-Formular abgewickelt, so dass Menschen ohne Smartphone klar im Nachteil sind. Manchmal können mit der ersten Registrierung QR-Codes generiert werden, mit denen sich folgende Registrierungen deutlich vereinfachen lassen, sofern der Dienstleister von der Herberge oder Kommune akzeptiert/unterstützt wird.
Neben den Herbergen, die explizit von der Kirche (parroquial) oder der örtlichen Kommune (municipal) betrieben werden und die eher Mindeststandards erfüllen, gibt es auch eine Vielzahl an privaten (und teureren) Herbergen mit oft besserer Ausstattung, allerdings auch mit geringerem „Pilgerflair“. Offizielle Pilgerherbergen erkennt man an einem blauen Schild mit einem großen weißen A für Albergue. Hotels sind dagegen mit einem H für Hostal gekennzeichnet.
Schild an der kommunalen Herberge von BurgosGrundsätzlich ist es auch möglich, statt in einer Herberge im eigenen Zelt zu übernachten. Ausgesprochene Campingplätze sind zwar rar, aber auch „wildes“ Zelten sollte kein Problem sein, wenn man dabei Respekt vor Natur und den einheimischen Menschen erkennen lässt. Nur sehr wenige Pilgernde machen von dieser Möglichkeit Gebrauch, daher gibt es hier eigentlich keinerlei Konkurrenzdruck. Gelegentlich bieten einzelne Herbegen auch Zeltplätze auf dem eigenen Gelände an. Ob man sich allerdings das zusätzliche Gewicht von Zelt und Isomatte (und ggf. eines dickeren Schlafsacks) aufbürden möchte, muss natürlich jeder selbst entscheiden.
Ein gewöhnlicher Pilgertag beginnt etwa um 6 Uhr, wenn die ersten Menschen ihr Lager abbrechen und ihren Rucksack packen. Spätestens um 8 Uhr müssen allerdings ohnehin alle Pilgernden die Herbergen verlassen haben, damit sie für die nächsten Gäste vorbereitet werden können. Hat man keinen eigenen Proviant vorrätig, kann man häufig in einer Bar am Weg frühstücken. In etwa jedem zweiten Ort gibt es mindestens einen öffentlichen Trinkwasserbrunnen (fuente), weshalb man zumindest in der Übergangszeit im Frühling und Spätsommer nicht mehr als 1 Liter Wasser mitnehmen muss. Im Hochsommer wird man vermutlich mehr Wasser unterwegs dabei haben wollen. Je nach Länge der Etappe ist man dann gegen Mittag oder am frühen Nachmittag am Tagesziel angekommen, wo man als erstes die nächste Herberge aufsucht, die ohnehin häufig erst zwischen 12 und 14 Uhr mittags öffnet, nachdem die Herbergseltern (hospitaleros) die Räumlichkeiten von den letzten Pilgernden gereinigt haben. Benötigt man noch Lebensmittel, sollte man sich nun nicht zu viel Zeit mit dem Einkauf lassen, da gegen 14 Uhr die übliche Mittagspause (s. siesta) beginnt und die meisten Läden erst gegen 17 Uhr wieder öffnen. Große Supermärkte machen allerdings keine Mittagspause. Den restlichen Tag wird man mit ausruhen, Körperpflege, Wäsche waschen, Kontakte knüpfen und Nahrungsaufnahme verbringen. Hat man noch Reserven, lohnt es sich häufig, den Ort etwas ausführlicher zu erkunden, denn am nächsten Tag geht es ja schon weiter. Eine zweite Übernachtung in der selben Herberge ist in der Regel nicht gestattet, es sei denn, man hat offensichtliche gesundheitliche Gründe.
Funfact: Viele alte Gebäude entlang des Jakobsweges tragen die Bezeichnung hospital. Diese Bezeichnung bezog sich aber ursprünglich nicht auf ein Krankenhaus, sondern ganz allgemein auf eine Herberge, wie auch an den Begriffen hospitalero (span. für „Herbergsvater“) oder hospitalité (frz. für „Gastfreundschaft“) zu erkennen ist. So wie auch der deutsche Begriff Krankenschwester auf den Umstand zurückzuführen ist, dass die Krankenpflege früher besonders von Nonnen geleistet wurde, so wurden auch in den Pilgererbergen am Jakobsweg kranke oder gebrechliche Menschen gepflegt. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff hospital dann ganz allgemein auch auf Krankenhäuser übertragen und für Gasthäuser stattdessen der Begriff hostal etabliert, von dem sich auch das Wort Hotel ableitet,
P.S.: Das spanische albergue und das französische auberge sind ebenfalls verwandt. Die Aubergine ist dagegen keine kleine Herberge. Dieser Name stammt aus dem Arabischen.
Vorbereitung
Einer der besonderen Aspekte der Pilgerschaft auf dem Jakobsweg besteht in den überraschenden und unvorhergesehenen Ereignissen und Erlebnissen, die einem unterwegs begegnen können. Sich ein stückweit seinem ungewissen Schicksal zu überlassen – sich gewissermaßen in die Hände Gottes zu begeben – macht den Unterschied zu einer gewöhnlichen Wanderung aus und ist vermutlich auch eine Grundvoraussetzung für jede spirituelle Erfahrung. Daher kann ich an dieser Stelle nur empfehlen, bei den eigenen Vorbereitungen ganz bewusst auch etwas Platz für Zufälle zu lassen und die Reise nicht bis ins letzte Detail zu planen.
Vor allem die Ungewissheit bezüglich der täglichen Unterkunft, der richtigen Ausrüstung, mangelnder Sprachkenntnisse oder des Umgangs mit Verletzungen und Erkrankungen sind gute Übungsfelder für das berühmte „Loslassen“.
Es ist sicherlich von Vorteil, nicht ganz ohne Wandererfahrung den Camino zu beginnen, allerdings gibt es auch keine übermenschlich anstrengenden Abschnitte, was aber natürlich von der persönlichen Kondition abhängt. Es kann auch nicht schaden, vor dem Camino schon zu Hause mit dem vollen Gepäck ein paar Etappen von 20 bis 25 km gelaufen zu sein (am besten auch bei Regenwetter), um sich und die eigene Ausrüstung besser einschätzen zu können.
Wer von Deutschland kommend auf dem Landweg anreist, kann je nach Route in Bordeaux oder Toulouse einen Zwischenstopp einlegen. Für Pilgernde geeignete Herbergen sind dort beispielsweise:
• Bordeaux: Bordeaux Compostelle Hospitalité Saint-Jacques
• Toulouse: La petite auberge de Saint Sernin
Durch die hohe Auslastung einiger Abschnitte und die heutige Selbstverständlichkeit von Reiseplanung über das Internet hat sich in den letzten Jahren die Unsitte breitgemacht, dass viele Pilgernde ihre Unterkünfte reservieren (und manche Herbergen das auch zulassen), was dazu führt, dass andere Pilgernde keinen Platz mehr bekommen können, wenn sie an der Herberge ankommen. Diese Situation hat nun ihrerseits zur Folge, dass auf einigen Abschnitten eine regelrechte Konkurrenzatmosphäre herrscht, die auch dadurch gekennzeichnet ist, dass viele schon vor Sonnenaufgang ihre Wanderung beginnen, um einen Vorsprung vor den anderen zu haben. Ich persönlich habe immer versucht, mich von diesem Druck nicht zu ähnlichem Verhalten verleiten zu lassen. Lediglich am Beginn des Camino Francés zwischen Saint-Jean und Zubiri ist es leider kaum zu vermeiden, sich die Übernachtung vorzubuchen, wenn man nicht unter freiem Himmel nächtigen möchte. Ansonsten besteht eine Strategie, der Pilgerflut auszuweichen, darin, nicht in den klassischen Hauptzielen der Etappen zu übernachten, sondern in einem Ort davor oder danach. Das ist auch dann zu empfehlen, wenn man größere Ortschaften, die manchmal auch eher touristisch geprägt sind, meiden möchte.
Ein paar Brocken Spanisch
| alojamiento | Unterkunft |
| ayuntamiento | Rathaus / Stadtrat |
| acotado de setas | Pilzgebiet |
| el aparcamiento de cazadores | Parkplatz für Jäger |
| el área de descanso para peregrinos | Rastplatz für Pilgernde |
| el coto de caza | Jagdrevier |
| el desayuno | Frühstück |
| ¡vale! | okay! |
| Danke. Vielen Dank. | Gracias. Muchas gracias. |
| Bitte. | Por favor. |
| Guten Morgen! Guten Tag! | ¡Buenos días! |
| Guten Abend! | ¡Buenas tardes! |
| Gute Nacht! | ¡Buenas noches! |
| Gesundheit! / Prost! | ¡Salud! |
| Entschuldigung! | ¡Perdón! |
| ja | sí |
| nein | no |
| Mein Name ist … | Mi nombre es … |
| Ich komme aus … | Soy de … |
| Ich möchte nach … | Quiero ir a … |
| Wo geht es nach …? | ¿Cómo se llega a …? |
| Ist dies der Weg nach …? | ¿Es este el camino a …? |
| Wo ist …? | ¿Dónde está …? |
| hier | aquí |
| dort | allí |
| dieses | este |
| jenes | ese |
| gestern | ayer |
| heute | hoy |
| morgen | mañana |
| jetzt | ahora |
| früher | más antes |
| später | más tarde |
| Wann kommt die Bahn? | ¿Cuándo llega el tren? |
| Wann öffnet das Geschäft? | ¿Cuándo abre la tienda? |
| Wann schließt die Herberge? | ¿Cuándo cierra el albergue? |
| Gibt es hier eine Apotheke? | ¿Hay alguna farmacia por aquí? |
| Haben Sie Wasser? | ¿Tiene agua? |
| Ich brauche Obst. | Necesito fruta. |
| Ich brauche einen Arzt. | Necesito un medico. |
| Ich suche Gemüse. | Estoy buscando verduras. |
| mit | con |
| ohne | sin |
| mehr | más |
| nicht so viel | no tanto |
| Das ist genug. | Ya es suficiente. |
| Das reicht. | Ya basta. |
| Gut. Sehr gut. | Bien. Muy bien. |
| Haben Sie noch ein freies Bett? | ¿Tienen alguna cama libre? |
| Ich habe (nicht) reserviert. | (No) he reservado. |
| Kann ich eine Nacht länger bleiben? | ¿Puedo quedarme una noche más? |
| Wieviel kostet das Brot? | ¿Cuánto cuesta el pan? |
| Ich möchte mit Karte bezahlen. | Quiero pagar con tarjeta. |
| Gibt es eine Speisekarte? | ¿Hay menú? |
| Ich verstehe Sie nicht. | No le entiendo. |
| Etwas langsamer, bitte. | Un poco más despacio, por favor. |
| Ich weiß es nicht. | No lo sé. |
| Deutschland / deutsch | Alemania / alemán |
| englisch | inglés |
| Bettlaken | sábana |
Ausrüstung
Bei einer Wanderung gilt beim Gepäck natürlich ganz besonders der Grundsatz „weniger ist mehr“, weshalb man wirklich nur das Nötigste einpacken sollte. 10 kg sind ein grober Orientierungswert für das Gewicht des Rucksacks, wobei ich immer wieder Pilgernden begegnet bin, die noch ein oder zwei Kilo darunter lagen. Es ist wahrscheinlich sinnvoller, das eine oder andere vor Ort nachzukaufen, als die ganze Strecke unnützes Gewicht zu tragen. In einigen Ortschaften gibt es sogar Outdoor-Fachgeschäfte für den Fall, dass man vielleicht ein paar neue Schuhe benötigt… Es sei noch angemerkt, dass man in vielen Orten einen Transportdienst beauftragen kann, das eigene Gepäck zum Zielort vorauszufahren, wenn man mal lieber ohne Rucksack laufen möchte oder muss.
Eine Grundausrüstung könnte einschließlich der Kleidung am Leib so aussehen:
Rucksack (40 Liter), Schlafsack, Umhängetasche, Stoffbeutel, Wäschebeutel, Wäscheleine, Wäscheklammern, kleine Schuhbürste
Stirnlampe, Handy, Ladekabel, Sonnenbrille, Tasse, Löffel, Taschenmesser, Hausschlüssel, Brustbeutel, Geld, Kreditkarte, Ausweis, Krankenkassenkarte, Impfpass, Pilgerpass, Schreibzeug, Klebeband, Sicherheitsnadeln, Nähnadel und langer Faden
Jacke, Pullover, 2 Hemden, 3 T-Shirts, lange Hose, kurze Hose, 3 Unterhosen, 2 Paar Wandersocken, Schlafsachen, Wanderschuhe, Trekkingsandalen oder Badelatschen, Regencape, Regenhose, Wollmütze, Hut
Handtuch, Shampoo, Zahnbürste, Zahncreme, Zahnseide, Rasierzeug, Nagelschere, Nagelfeile, Hautcreme, Sportsalbe, Feuchttücher, Wattestäbchen, Pflaster, Verband, Desinfektionsspray, persönliche Medikamente, Zeckenzange, Pinzette
2 Wasserflaschen à 500 ml
Ein leichter Sommerschlafsack reicht aus, da man ja in geschlossenen Räumen übernachtet. Mumienschlafsäcke lassen sich nicht so gut als Decke verwenden wie solche mit geradem Schnitt.
Stoffbeutel helfen ungemein, den Inhalt des Rucksacks „thematisch“ zu separieren und ein völliges Durcheinander zu vermeiden. Eine leichte Umhängetasche ist von Vorteil, wenn man einkaufen geht oder für den Bummel durch einen Ort.
Eine gute Idee ist eine lange Trekkinghose mit abnehmbaren Hosenbeinen. So hat man zwei kurze Hosen dabei, obwohl man nur eine eingepackt hat.
Auch wenn man Spanien mit Wärme und Trockenheit assoziiert, muss man auch auf kältere Temperaturen und Regen vorbereitet sein. Das Klima ist im Norden eher atlantisch als mediterran. Besonders morgens und in höheren Lagen kann es empfindlich kalt sein, weshalb man neben einem einfachen Pullover auch eine wärmere Jacke und eine leichte Wollmütze dabei haben sollte.
Auf dem Weg nach Puente la ReinaGute Wandersocken zeichnen sich vor allem durch Zweilagigkeit aus. So reiben diese Gewebelagen beim Wandern aneinander und nicht am Fuß, was eine absolut wirkungsvolle Maßnahme gegen Blasen ist. Gelegentlich führt der Weg durch kleine Wasserläufe, Pfützen oder schlammige Abschnitte. Eine kleine Bürste leistet hier wertvolle Dienste, um die Wanderschuhe von anhaftendem Schmutz zu befreien, bevor man eine Bar, Herberge oder Kirche betritt.
Ein zweites Paar leichte Plastik-Schuhe dient als „Hausschuhe“ in den Herbergen, als Desinfektionsschutz in den Waschräumen und allgemein zur Entspannung und Belüftung der Füße, die den halben Tag in den Wanderschuhen geschwitzt haben. Je nach eigenen Vorlieben können hier Flipflops, Badelatschen oder einfache Trekkingsandalen gewählt werden, wobei hier vor allem die Frage entscheidend ist, ob man in diesen Schuhen villeicht sogar eine Strecke wandern können möchte.
Haarshampoo kann auch für den restlichen Körper und zum Wäschewaschen verwendet werden. So spart man Platz und Gewicht für Duschgel und Reisewaschmittel.
Diese DInge können optional mitgenommen werden:
Wanderstab, Riemen, Laken, Tüten, Regenschirm, Powerbank, Sprachführer, Wanderführer, Tagebuch, Badehose, Baumwollsocken, Sonnencreme, Taschentücher, Augenbinde, Ohrstöpsel, FFP2-Maske
Salz 100 ml, Speiseöl 100 ml
An der Frage, ob sich ein Wanderstab lohnt, scheiden sich die Geister. Es gibt vereinzelt sicherlich Abschnitte, wo ein Wanderstab hilfreich ist, eine Steigung zu bewältigen, den Abstieg abzufedern, sich auf unsicherem Gelände abzustützen oder einen Bachlauf zu überspringen. Auf der übrigen Strecke ist der Stab dann aber doch eher überflüssiger Ballast. Moderne Teleskop-Wanderstöcke aus Aluminium oder Kohlefaser können hier ein Kompromiss sein, da man sie gut verstauen kann, wenn sie nicht benötigt werden. Für manche ist ein rustikaler Wanderstab aus Holz aber auch ein unverzichtbares Attribut für die echte Pilgerschaft. Solche Stäbe sind in vielen Orten zu erwerben. Ansonsten besteht auch die Möglichkeit, sich einfach aus dem Wald einen ollen Knüppel zu holen und diesen als Wanderstab zu verwenden, sofern man Wald zur Verfügung hat.
Die Einweglaken, die in den Herbergen ausgegeben werden, sind in meinen Augen eher von fragwürdiger Qualität und Nutzen, da sie sehr dünn sind und manchmal schon beim Aufziehen zerreißen, vom Müllfaktor ganz abgesehen. Ich erlaube mir daher hier gerne den „Luxus“ eines eigenen Spannbettlakens.
Wenige Menschen sind es gewohnt, in Schlafsälen mit vielen Menschen zu übernachten. Hier können eine Augenbinde und Ohrstöpsel helfen, den Schlaf störende Reize zu mindern. Ich persönlich empfinde diese Hilfsmittel allerdings selbst als störend und habe mich bemüht, mich eben an die Umstände in den Schlafsälen zu gewöhnen.
Ein paar Tüten sind von Vorteil, um wertvolle Dinge bei Regen zu schützen oder um eine wasserdichte Unterlage zu improvisieren, wenn man den Rucksack auf feuchtem Untergrund abstellen muss. Eine kleine Mülltüte für unterwegs sollte man ohnehin immer in der Hosentasche dabeihaben. Allerdings werden einem praktisch in jedem Supermarkt Tüten beim Einkauf angeboten («¿Bolsa?»).
Ein Regenschirm erspart einem bei leichtem Nieselregen das umständliche Anlegen der richtigen Regenkleidung und schützt unter Umständen auch gegen eine allzu intensive Sonnenstrahlung.
Möchte man in den Herbergen selber kochen, erspart einem eigenes Salz und Speiseöl in kleiner Menge den Kauf normaler Gebindegrößen, die man am nächsten Tag entweder in der Herberge zurücklassen oder mitschleppen muss. Oft lassen andere Pilgernde die Reste ihrer Einkäufe in den Herbergen zurück, was für die eine oder andere Überraschungszutat für das eigene Mahl sorgt. Bei frischen Lebensmitteln ist allerdings leider praktisch nie zu erkennen, wie lange diese bereits im Kühlschrank wohnen, weshalb man solche wohl besser meidet.
Ein besonderer Höhepunkt im doppelten SInne ist auf dem Camino Francés das Erreichen des Cruz de Ferro, des höchsten Punktes dieser Route. Dort ist es Brauch, einen von zu Hause mitgebrachten Stein abzulegen, als Symbol für die Strapazen des Weges und des Lebens. Möchte man an diesem Brauch teilnehmen, so sollte man sich also auch einen kleinen Stein einpacken.
Die vier Arten von Pilgernden:
- Die regulär Pilgernden mit mehr oder weniger religiösem oder spirituellem Motiv oder zumindest dem Wunsch, einen neuen Lebensimpuls zu finden.
- Pilgernde, die den Camino zum ersten Mal gehen.
- Pilgernde, die schon mehrfach auf dem Camino waren.
- Pilgernde, die süchtig nach den Caminos sind.
- Pilgernde, die den Camino in entgegengesetzter Richtung laufen.
- Pilgernde in organisierten Reisegruppen.
- Menschen, für die der Camino eher eine sportliche Herausforderung ist. Sie lassen ihr Gepäck von Herberge zu Herberge vorausfahren und können die Etappen so im Eiltempo oder gar joggend bewältigen. Einziges Gepäck sind Wasserflasche und Fitness-App.
- Menschen, die den Camino per Fahrrad abradeln. Somit lässt sich eine Route in einem Drittel der Zeit schaffen oder noch schneller.
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